Dienstag, 27. Oktober 2009

Im Auge des Sturms

Ein Kollege von der Nachbarabteilung steckte heute seinen Kopf durch die Tür und meinte:"Erstaunlich, du bist immer noch da."
Es ist tatsächlich erstaunlich, seit Jahren lösen sich um mich herum die Arbeitsgruppen auf und setzen sich neu zusammen. Es werden Tische gerückt und Wände versetzt. Alles ist ständig im Fluß. Nur ich sitze immer noch am gleichen Platz im gleichen Büro und an der Tür hängt nach wie vor unagetastet das Schild "Ilona - Sekretariat".
363

Sonntag, 25. Oktober 2009

Anti-Frust-Strategie

Wenn ich total frustriert von der Arbeit komme, das Gefühl nicht loswerde, nun endgültig für jeden der DvD (Depp vom Dienst) zu sein. Dann pack ich mich in die Badewanne und singe.
Das hier zum Beispiel, zwar nicht so gut aber mindestens so inbrünstig....



besonders das Ende
...
fangen einen jeden vor jeglicher Tür
und legen ihn in Ketten und bringen ihn zu mir
und fragen mich, wen solln wir töten
und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
weil ein jeder fragt, wer wohl sterben muss
und dann werden sie mich sagen hören ...alle...
und wenn dann der Kopf fällt, sag ich ...hoppla...

und das Schiff mit acht Segeln und mit fünfzig Kanonen
wird entschwinden mit mir

hat es mir dabei angetan.

Edit:
Bei Beziehungskrisen empfehle ich Surabaya Johnny.
Für tragische Leidensphase die Version von Lotte Lenya, für alle anderen Phasen die Interpretation von Nina Hagen.

... nimm doch die Pfeife aus dem Maul, du Hund...
333

Samstag, 24. Oktober 2009

Naiv

Ein Beamter muss entlassen werden, wenn er etwas ausgefressen hat und ihm ein Gericht dafür eine Strafe von mindestes 12 Monaten aufbrummt. So zumindestest habe ich die entsprechende Passage über Beamtenrecht im Wikipedia verstanden.
Diese im Beamtenrecht festgelegte Grenze, hat mich auf die Idee gebracht, auch im Rahmen der "ich bestehle meinen Arbeitgeber"-Fälle, das Strafrecht einzuschalten. Diebstahl ist ja nun kein Kavalliersdelikt und das Strafrecht ist schließlich dafür zuständig. Es scheint vielleicht so, als ob ich hier mit Kanonen auf Spatzen schießen will. Aber ein Prozess der einen Diebstahl verhandelt, untersucht auch akribisch, wie diebisch der Dieb wirklich war. Da werden Zeugen gehört. Hat sie die Pfandbons tatsächlich genommen? Sind die Zeugen glaubwürdig? Gibt es weitere Spuren wie Fingerabdrücke und verräterische Genanhaftungen? Wie hoch darf man den Wert von Maultaschen noch ansetzen auf ihrem Weg zum Mülleimer. Sind sie noch Maultasche oder schon Müll? Ist ein Mitnahmeverbot in diesem Fall verfassungsrechtlich gedeckt? Befand sich die Sekretärin vielleich sogar in einem Verbotsirrtum, da der Bestohlene es jahrelang nicht für nötig gehalten hatte, sie auf ihr unrechtes Tun aufmerksam zu machen. Oder befand sie sich in einer Notlage, weil der Duft der Bulette in ihrem hungrigen Hirn eine Heißhungerattacke auslöste und sie sich nicht anders zu helfen wußte?
Hat der Bestohlene allen seinen Sorgfaltspflichten genüge getan. Als da wären ....

Ja, ich glaube wirklich, alle diese Fragen müssen grundlegend geklärt sein, bevor man jemanden einen Dieb nennt und vor die Tür setzt.
371

Freitag, 23. Oktober 2009

Schlußwort

Zum Abschluß möchte ich hier unseren alten Betriebsratsvorsitzenden zu Wort kommen lassen. Als ich ihn fragte, warum er sich so für einen Kollegen einsetze, antwortete er mir:" Es ist richtig, der hat totale Scheiße gebaut, aber man darf doch das Menschliche nicht vergessen."
321

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Der Nächste

Ich dachte ja, ich könne mich so langsam mal wieder beruhigen und von der Palme krabbeln, auf die es mich, so schnell konnte ich gar nicht gucken, getrieben hatte. Aber nix da. Jetzt hats den nächsten erwischt. Diesmal waren es gebrauchte Pappkartons.
Mir wird himmelangst, mit so einem Pappkarton bin ich auch schon vom Firmengelände spaziert. Und ich habe Angst um meine Kollegen. Besonders die Bastler unter ihnen, durchwühlen schon mal die Schrottkiste auf der Suche nach einem brauchbaren Rest oder einem kaputten Werkzeug, dass sich vielleicht noch reparieren und gebrauchen läßt. Ich denke an die Stapel gebrauchten Endlospapieres, das ich als Malpapier für die Kinder mit heimgenommen habe und hoffe, dass das inzwischen verjährt ist, oder an den gebrauchten Ordner, den ich seinerzeit aus dem Müll gezogen habe. Und mir wird schwummerig bei dem Gedanken, an das was ich sonst noch so alles auf dem Kerbholz habe. Dinge von denen ich gar nicht weiß, dass sie eine Kerbe im besagte Holz hinterlassen haben.
331

Sonntag, 18. Oktober 2009

Und nein...

die Spezies der deutschen Arbeitnehmer sind keine Engel. Besonders die Sorte, die sich ein lauschiges Plätzlich gesichert hat, den Arbeitsalltag durch Bummeln und Faulenzen behindert, sich noch nicht einmal dazu durchringen kann, Dienst nach Vorschrift zu schieben. Die immer und überall eine Ausrede parat hat, von "dafür bin ich nicht zuständig" bis "woher soll ich das wissen". Ja, solche gibt es, jeder kennt sie und sie sind eine arge Plage.
Die wahre Plage sind allerdings die Vorgesetzten dieser Spezies, die sich so lange es geht, oft jahrelang, davor drücken die Aufgaben, die ihnen als disziplinarische Vorgesetzte obliegen, auch einmal ernst zu nehmen. Da jault man lieber rum, wie unendlich schwierig es ist, langjährige Drückeberger zu entlassen.

Eine andere, aber auch sehr spannende Frage, ist diese: Wieso mutiert ein ehemals, engagierter, fleißiger Mitarbeiter zum ausgewiesen Faulpelz.
298

Samstag, 17. Oktober 2009

Damals

Jetzt habe ich mit diesem leidigen Thema angefangen und kann gar nicht aufhören. Ständig fällt mir noch etwas ein. So wie diese Geschichte von unserem Firmengründer.
Vor vielen Jahren als die Firma noch klein und übersichtlich war, als die Cheffin noch eine herzhafte Brotzeit herrichtete, damit die Leute, die am Samstag arbeiten mußten, nicht verhungerten. Damals also soll sich folgendes zugetragen haben. Es war wohl auf einer Betriebsversammlung als die Mitarbeiter bemängelten, daß ihr Lohn gemessen an den Löhnen in der Umgebung doch recht niedrig sei. Unser Firmengründer soll darauf hin ziemlich wütend geworden sein und gefaucht haben:"stellt euch mal nicht so an, oder glaubt ihr wirklich, ich weiß nicht, dass jeder einzelne von euch einen Werkzeugsatz zuhause hat, auf dem mein Name steht?"
313

Fiktion

Küchenhilfe gekündigt
... weil sie des öfteren eine Handvoll Kartoffelschalen für ihr Zwergkaninchen mitgenommen hatte ...

Sekretärin fristlos entlassen
... sie malte während sie telefonierte mit dem firmeneigene Kugelschreiber Kringel auf die firmeneigen Schreibtischunterlage. ... einem solchen Missbrauch von Ressourcen muss ein für alle mal ein Riegel vorgeschoben werden. Unsere Vertrauen in diese Mitarbeiterin ist grundlegend zerstört ...

Betrug mit der Stempelkarte
... Konstrukteur E. vergaß am Feierabend seine Stempelkarte durch den Scanner zu ziehen. Als er dies bemerkte, hatte er das Firmengelände schon verlassen, kehrte aber dennoch um und zog die Karte durch den Scanner. Unabhängige Gutachter haben bestätigt, dass E. hiermit seinen Arbeitgeber um exakt 2 Minuten und 34 Sekunden betrogen hatte. Er wurde fristlos entlassen. Unser Vertrauen in E. ist vollends erschüttert sagte ein Firmensprecher ...

PS: Meinen Lieblingskündigungsgrund hätte ich beinahe vergessen

Koch fristlos entlassen
Wie ein Sprecher der Großküche Gut-Mampf heute bekanntgab, wurde der Chefkoch entlassen. Er hatte das Vertauen seines Arbeitgebers schändlich mißbraucht, indem er entgegen der allgemein gültigen Küchenordnung, stets einen Suppenlöffel (statt des vereinbarten Kaffeelöffels) zum Abschmecken der Gulaschsuppe verwendete. Eine solche Missachtung der Dienstregeln .....
391

Maultaschen

Jetzt sind es 6 Maultaschen, die eine fristlose Kündigung gerechtfertigt haben und wieder ist es nicht der Wert, den die Maultaschen darstellen, sondern das zerstörte Vertrauensverhältnis des Arbeitgebers zu seinem Mitarbeiter.
Das ist perfide, denn ein solcher Kündigungsgrund kann und muss nicht mit Daten und Fakten untermauert werden. Wie wir im Falle der Pfandbons gelernt haben, reicht allein der Verdacht auf Diebstahl, um das Vertauen kündigungsrelevant zu erschüttern. Der Kündigungschutz wird damit perfekt unterlaufen.

Der Maultaschendiebin hat man laut SZ 25.000€ geboten, wenn sie die Kündigung ohne Gegenwehr akzeptiert.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
301

Montag, 12. Oktober 2009

Diebe

Wenn mich eins auf die Barrikaden bringt, dann sind es die Berichte der letzten Zeit, die von fristlosen Kündigungen berichten. Kündigungen wegen Diebstahl und Vertrauensmissbrauch. Ja so nennt man das, wenn man sein Handy am Arbeitsplatz aufläd, sein Brötchen mit firmeneigener Matschepampe für drei Cent bestreicht oder liegengebliebene Chefbrötchen nicht ordnungsgemäß in den Mülleimer verfrachtet sondern einfach aufißt. Und während ich noch darüber nachdenke, daß hier die Arbeitgeber einen tollen Trick gefunden haben Mitarbeiter loszuwerden, muss ich verstärkt feststellen, wie gerechtigkeitsfanatisch meine Mitmenschen sind. Diebstahl ist Diebstahl, schreien sie, wo ist die Grenze, wollen sie wissen.
Ja wo ist die Grenze, es gibt sie nicht, denn jeder ist an seinem Arbeitsplatz ein kleiner Dieb. Ich glaube es gibt keien einzigen, der nicht schon in irgendeiner Weise seinen Arbeitgeber betrogen oder bestohlen hat. Zumindest kenne ich keinen, mich eingeschlossen.
Nächste Woche werde ich mich mal wieder in bandenmäßigen Diebstahl üben. Denn dann werden im Konferenzraum wieder Konferenzbrötchen und lauwarmer Konferenzkaffee zurückbleiben. Und bevor die Kantinenfee alles abräumt, werden wir uns bandenmäßig zusammenrotten und alle Reste verputzen.
325

Aktuelle Beiträge

Huhu *laut_ruft* ..
Niemand da ???? Schade :-( *Tränchen wegdrückt*
schlafmuetze - 3. Feb, 15:56
Hallo Ilona :-)
Schön mal wieder von dir zu lesen .. und dann sowas....
schlafmuetze - 3. Sep, 22:04
Kindheitstraum
Dieses Jahr habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt....
illona - 20. Aug, 12:59
Ömpffff....
Hallo Herr B. ich hatte dich übrigens schon am Nickname...
illona - 20. Aug, 11:47
Hä ?
wie jetzt "neustart" ? .. aber seit mehr als 4 Wochen...
Doofie (Gast) - 4. Aug, 13:23
Neustart
Heiß, war das heute, viel zu heiß für irgenteine sinnvolle...
illona - 1. Jul, 19:56
Hallo Ilona :-)
Ein gutes neues Jahr wünsche ich dir/euch. Hoffe es...
schlafmuetze - 8. Jan, 18:32
Verdammt! Das Wissen...
Verdammt! Das Wissen von drei Milliarden Männern mündet...
romeomikezulu - 16. Okt, 13:36
Es gibt mehr …
… noch viel mehr als diese drei Autoren. Kam zufällig...
Navigator (Gast) - 27. Sep, 15:53
102
Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, in der...
illona - 23. Sep, 23:10

Web



Profil
Abmelden
Weblog abonnieren