Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, in der ich gerade mal zwei bürotaugliche Hosen besaß. Die eine zog ich an, die andere war inder Wäsche. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, ich hätte nichts zum anziehen.
Inzwischen besitze ich einen ganzen Stapel Hosen mit zugehörigen Oberteilen. Morgens stehe ich jetzt immer öfter vor meinem Kleiderschrank und finde nichts zum anziehen.
Ich habe den starken Verdacht, daß sich dieser Zustand mit jedem Teil, das ich meiner Kleidersammlung hinzufüge, verschlimmert.
Jetzt muss ich meine Science Fiction Bücher doch aufheben. Als ich sie so etwa vor zehn Jahren las, waren Dick und Lem meine uneingeschränkten Favoriten. Strugatzki dagegen fand ich ausgesprochen nervig. Jetzt habe ich alle nochmal gelesen. Dick und Lem haben mich kaum noch mitgerissen. Dafür habe ich meine Liebe zu Strugatzki entdeckt.
Es wird spannend sein zu sehen, wer in zehn Jahren mein Favorit sein wird.
Ich bin grün vor Neid. Da hinten in den Schrebergärten züchten sie Tomaten. So welche habe ich noch nie gesehen. Die Stauden über zwei Meter hoch, die Früchte groß wie Tennisbälle sind ungeschützt Wind und Wetter ausgesetzt und wachsen und wachsen und wachsen.
Wie machen die das bloß.
Integration? Bleibt mir mit Integration vom Hals. Ich bin und bleibe unintegrierbar. Seit mehr als zwanzig Jahren lebe ich schon hier, aber die Sprache der Einheimischen verstehe ich immer noch nicht, geschweige denn, dass ich sie sprechen kann. Wir Zuagroasten bleiben lieber unter uns, wir haben uns hier in diesem Viertel zusammengerottet. Bei uns kommt nach wie vor der Weihnachtsmann und nicht das Christkind, wir essen Rotkohl statt Blaukraut und das bleibt so, auch wenn es den Untergang der hiesigen Kultur bedeutet.
Es scheint, es passiert alle zehn Jahre einmal. Heute war es wieder so weit. Ein dicker roter Blitz versetzte mich kurzfristig in Angst und Schrecken. Leute könnt ihr nicht dezenter blitzen. Das ist kein Spaß wenn einem aus keinen drei Meter Entfernung ein roter Feuerball ins Gesicht springt.
In zwei Jahren werde ich mein 25. Firmenjubiläum feiern. Dann darf ich mir ein Seminar aussuchen. Das will gut überlegt sein. Darum fange ich schon mal an, mich umzuschauen. Business Yoga würde mir bestimmt gut gefallen.
Links neben dem Spiegel steht die Tube mit Haargel, rechts neben dem Spiegel steht die Cremetube. Die Haargeltube links neben dem Spiegel ist groß, die Cremetube rechts neben dem Spiegel ist klein. Die große Tube mit Haargel links vom Spiegel hat einen schwarzen Verschluss, die kleine Cremetube rechts vom Spiegel hat einen rosa Verschluss. Der Inhalt der großen Tube mit dem schwarzen Verschluss links vom Spiegel gehört ins Haar, der Inhalt der kleinen Tube mit dem rosa Verschluss rechts vom Spiegel gehört auf die Wangen.
Ist doch gar nicht so schwer, nur ob ich mir das bis morgen früh merken kann? Ich weiß nicht, heute hat es nicht geklappt.